Vor einigen Tagen habe ich mich mit dem Thema Angst beschäftigt und damit, was sie mit uns macht. Heute kommt der zweite Teil zum Thema. Ich möchte euch an ein paar weiteren meiner Gedanken über Angst teilhaben lassen und auch an ein paar Tipps, wie ich mit meinen Ängsten umgehe.

Angriff, Flucht oder Totstellen

Wie so vieles im Leben ist Angst ein ambivalentes Gefühl. Sie schützt uns vor Gefahr, aber sie kann uns auch blockieren. Wenn wir uns bedroht fühlen, greift unser Gehirn auf uralte Muster zurück: Angriff, Flucht oder Totstellen. Diese Verhaltensweisen kannst du auch in ganz normalen zwischenmenschlichen Situationen beobachten. Es gibt Menschen, die Konflikten ausweichen, andere bleiben zwar, aber verstummen völlig, wieder andere gehen bei Kritik sofort zum Gegenangriff über. Konstruktiv ist das meist nicht, aber tief in uns verankert.

Schwierig wird es, wenn Angst dazu führt, dass sich dein Blick verengt, sodass du gar keine Alternative mehr denken, geschweige denn umsetzen kannst. Ich habe dir bereits den Tipp gegeben, bei angstbedingten Engegefühlen erst einmal tief durchzuatmen, damit sich dein Körper entspannt. Das ist tatsächlich ein sehr praxisnaher Tipp, denn er verschafft dir im selben Moment auch Zeit und damit minimalen Abstand zu deinem Problem, sodass du darüber nachdenken kannst und dich nicht gedrängt fühlst, sofort zu reagieren.

Tiefgehende Ängste

Auslöser dafür, mich mit Angst zu beschäftigen, waren die Gewalttaten in Süddeutschland der vergangenen zwei Wochen. Diese verursachen sicher bei vielen Menschen große Unsicherheit und auch Ängste. Es gibt aber noch andere Ängste, die nicht an einen speziellen Auslöser gebunden sind, sondern uns länger, oft über Jahre begleiten. Die Angst von anderen abgelehnt zu werden zum Beispiel oder die Angst vor Kontrollverlust. Wie begegnet man diesen am besten? Was kannst du tun, wenn du möchtest, dass sie nicht dauerhaft dein Leben bestimmen?

Jetzt nur zu sagen: Stelle dich deinen Ängsten, wäre zu einfach. Wenn das so problemlos ginge, hätten die meisten von uns dies längst getan. Ich habe zwei andere Vorschläge für dich. Hier kommen meine Tipps 3 und 4.

Tipp 3: Suche dir ein Ventil

Angst spürst du in deinem Körper als überschüssige Energie. Es kostet Energie zu vermeiden, aber es kostet ebenfalls Energie, zum Angriff überzugehen oder zu flüchten. Bei tief sitzenden Ängsten ist es ebenfalls sehr aufreibend, sich Ängsten konstruktiv zu stellen. Aber es lohnt sich. Wichtig ist, wenn du (zum Beispiel mit einem Therapeuten) daran arbeitest, die Ursachen deiner Angst zu verstehen und etwas an deinem Verhalten zu ändern, dass du Geduld mit dir hast. Es braucht viel Zeit, Verhaltensmuster zu verändern. Stelle dich darauf ein.

Derweil hilft es, dir ein Ventil zu suchen. Für mich war und ist dies das Schreiben. Andere machen Musik oder Sport, um negative Energien in etwas Positives umzuwandeln. Stilles Verharren und sich als Opfer zu fühlen, bringt dich nicht weiter. Nutzt du ein Ventil und bringst du wohlmöglich dabei noch etwas Produktives zustande, schaffst du einen Mehrwert für dich und gewinnst an Selbstbewusstsein. Das ist Gold wert.

Tipp 4: Konzentriere dich auf etwas anderes

In einem Gespräch mit einem Freund kam neulich noch eine weitere Strategie zur Sprache. Ich berichtete ihm von meiner Australienreise, da ich einige meiner Erlebnisse in meinem neuen Roman verarbeite. Ich habe auf der Reise eines festgestellt: Dadurch, dass ich mich in bestimmten (nicht vorher planbaren) Situationen bestimmten Ängsten stellen musste, spürte ich im Nachgang auch Auswirkungen auf andere Ängste. Es war, als hätten mein Körper und mein Geist gelernt, den durch die Angst verursachten Stress besser zu händeln.

Das fand ich interessant, denn das bedeutet: Wenn es eine tief sitzende Angst gibt, die sich nur schwer lösen lässt, dann kann es ein Weg sein, bei einer weniger tief sitzenden Angst anzufangen:

Kümmere dich nicht um den gesamten Berg, sondern fang mit kleinen Portionen an. Früher oder später wirst du merken, wie sich deine innere Landschaft verwandelt und du selbstbestimmter durchs Leben gehst.

So, das war mein Wort zum Sonntag, ich wünsch dir einen guten Start in die neue Woche!

 

 

 

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