Ein Jahr geht zuende, das nächste klopft bereits an die Tür. In Zeiten wie diesen neigen wir Menschen dazu, alles Revue passieren zu lassen und uns für die kommenden Monate viel Gutes vorzunehmen. Wir wollen abnehmen, uns gesünder ernähren, mehr Sport treiben und natürlich endlich mit dem Rauchen aufhören …

Von der Lust zum Frust

So oder so ähnlich sehen sie also aus, die sogenannten „guten Vorsätze“, die spätestens vier Wochen nach Neujahr bereits den ersten Frust nach sich ziehen. Weil die Umsetzung leider doch nicht so einfach ist, wie wir uns das vorgestellt haben. Tja. Alle Jahre wieder, kein Lerneffekt erkennbar.

Und wir Autoren? Schwelgen in Wahnvorstellungen darüber, was wir im neuen Jahr zu leisten imstande sein werden: mehr schreiben, mehr veröffentlichen, mehr verkaufen. Und natürlich Weltruhm erlangen. Sollte doch ein Kinderspiel sein.

Der Vorsatz-Falle entgehen

Doch wie könnte ein Ausweg aus der Guten-Vorsatz-Falle aussehen? Sich einfach gar nichts mehr vornehmen? Konkrete Vorhaben und Planungen nicht mit dem Jahreswechsel verknüpfen? Das wären sicherlich gute Optionen. Ich nenne euch aber noch eine weitere, denn ich finde es gar nicht verkehrt, in regelmäßigen Abständen (sprich: mindestens einmal im Jahr) Bilanz zu ziehen. Meine Lösung heißt:

Plane realistisch, kenne deine Grenzen und nutze deine Ressourcen.

Klingt einfach, oder? Ist es auch. Wenn man es richtig macht.

1. Eine gute Planung ist das A und O

Die meisten Pläne scheitern schlicht und ergreifend daran, dass sie sich an unseren unrealistischen Hoffnungen, Wünschen oder Erwartungen orientieren. Eine alleinerziehende, berufstätige Mutter mit vier Kindern wird es schwer haben, sich jeden Tag zwei Stunden Zeit zum Schreiben einzuräumen. Aber es wird ihr vielleicht gelingen, sich wöchentlich ein Zeitfenster zu schaffen, in dem sie langsam, aber stetig ihre Schreibprojekte weiterverfolgt.

Was bei der Betrachtung anderer leicht zu durchschauen ist, fällt bei der Beurteilung der eigenen Lage oft schwer. Dabei verkennen wir, dass wir uns selber boykottieren, wenn wir durch eine unrealistische Planung den Frust geradezu zu uns einladen. Einer der Vorsätze für Autoren könnte demnach lauten:

Vorsatz #1

Ich plane kleine, dafür realistische Zeitfenster für meine Projekte ein.

Du wirst sehen: Es macht viel mehr Spaß, wenn du dich regelmäßig über die Erreichung kleiner Ziele freuen kannst, als wenn du permanent unrealistischen Plänen hinterher hinkst.

2. Nur wer seine Grenzen kennt, kann über sich hinauswachsen

Um der für dich passenden Zeiteinteilung näher zu kommen und deinen Rhythmus zu finden, ist es wichtig, dass du deine Grenzen kennst und ehrlich zu dir bist. Immer wieder erlebe ich es in Gesprächen, dass Menschen sich mehr mit anderen vergleichen als bei sich zu bleiben und darüber nachzudenken, was ihnen gut tut. Will sagen: Wenn du ständig schaust, was andere leisten, und das als Maßstab nimmst, den du nicht erfüllen kannst, dann wundert es mich nicht, dass du nicht voran kommst.

Du wirst immer jemanden finden, der schneller, erfolgreicher, schöner, sportlicher, vielseitiger, begabter … ist als du! So what!? Gibt es irgendwo eine Regel, die besagt, dass du nicht du selbst sein sollst!!? Ich liebe ja das „Pinguin-Prinzip“ von Eckart von Hirschhausen, der da sagt: „Wenn man als Pinguin geboren wurde, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus dir in diesem Leben keine Giraffe!“ Falls du es nicht kennst, kannst du es dir hier nochmal anschauen:

Fazit: Akzeptiere dich so, wie du bist. Bist du eine Niete in der Rechtschreibung? Scheiß drauf! Such dir Unterstützung, aber verplempere nicht deine Zeit damit, wieder und wieder die eigenen Texte zu verschlimmbessern, wenn es an dieser Stelle ohnehin nichts bringt. Konzentriere dich lieber auf deine Story, deine Ideen. Du hast kein Händchen fürs Bloggen oder für aufwendig gestaltete Videos und Podcasts? Dann überlege dir, ob es andere Wege gibt, die du beschreiten kannst, um mehr Aufmerksamkeit für deine Bücher zu erhalten. Dererlei Beispiele könnte ich jetzt noch viele nennen, du kennst deine Schwächen selber am besten.

Ein weiterer Vorsatz für Autoren wäre also dieser:

Vorsatz #2

Ich akzeptiere meine Grenzen und konzentriere mich fortan auf meine Chancen.

Wer aufhört, ständig um seine Mängel zu kreisen, und stattdessen Lösungen sucht, der wird sich wundern, wie viel Zeit und Energie plötzlich frei wird.

3. Mit offenen Augen schreibt es sich leichter

Nehmen wir mal an, du hast nun deine Grenzen akzeptiert und einen realistischen Plan für 2016 erstellt. Was stellst du denn jetzt mit den Zeitfenstern an, die du dir geschaffen hast? Eines liegt auf der Hand, denn schließlich bist du Autor*in. Also möchtest du natürlich:

  • schreiben, schreiben, schreiben!

Und das sollst du auch. Denn je mehr du schreibst, desto sicherer wirst du dich auch fühlen. (Achtung, ausgelutschtes Sprichwort:) Übung macht den Meister! Darüber hinaus aber möchte ich dir eine weitere Tätigkeit empfehlen, schließlich brauchen Schriftsteller Inspiration. Und die kostet dich nicht einmal Zeit, denn du kannst ihr jederzeit und überall nachgehen:

  • Halte die Augen offen und beobachte!

Die fünf Minuten, während du an der Supermarktkasse wartest, sind eine hervorragende Gelegenheit, die Menschen vor dir in der Schlange genau unter die Lupe zu nehmen. Dieser Moment, wenn du deine Tochter vom Kindergarten abholst und all die anderen Mütter und Väter siehst. Was haben sie an, wie verhalten sie sich? Wie ist ihre Körperhaltung, wie würdest du ihre Ausstrahlung beschreiben? Jedes Detail, und sei es auf den ersten Blick noch so unwichtig, könnte der Schlüssel zu einer deiner Figuren sein.

Ein dritter Vorsatz für 2016 könnte also lauten:

Vorsatz #3

Ich nehme meine Umgebung bewusst und mit Neugierde wahr, wo immer sich mir die Gelegenheit bietet.

Jetzt würden mich natürlich auch deine Vorsätze interessieren? Hast du überhaupt welche? Wie sind deine bisherigen Erfahrungen: Hältst du sie auch ein? Und welche Tipps kannst du anderen Autoren für 2016 geben? Ich freue mich auf deinen Kommentar! 🙂

 

 

 

4 Kommentare

  1. Toller Artikel 🙂 Besonders den dritten Vorsatz finde ich wichtig und halte es auch so, wenn ich denn mal unterwegs bin. Ich verreise viel alleine, dadurch habe ich oft die Gelegenheit, Menschen zu beobachten, und es ist wichtig fürs Schreiben.

  2. Dein Artikel über Vorsätze ist ein absoluter Volltreffer. Ich habe mir früher für das neue Jahr immer Dinge vorgenommen ( z.B. abzunehmen ), was mir nicht gelungen ist. Habe mich oft zeitlich unter Druck gesetzt, versuchte immer Leistungen zu erbringen, da wir ja auch eine leistungsorientierten Gesellschaft leben. Besonders als berufstätige Mutter unterliegt man stets den Erwartungen anderer. In den letzten Jahren habe ich lernen müssen, dass man nicht allen Erwartungen entsprechen kann, selbst den eigenen nicht. Deshalb habe ich keine großen Vorsätze mehr. Ich stecke mir das Ziel, in einem Jahr ein Buch zu schreiben. Sollte ich früher fertig werden, kann ich mich darüber freuen. Ich gebe mir mehr Zeit. Ich habe Freude am Schreiben und hoffe einfach, dass meine Leser/innen meine Romane gut finden. Das ist mein persönlicher Erfolg.

    1. Liebe A.G.Kunz! Danke für dein Feedback und den Beitrag. Das freut mich sehr. 🙂 Es ist schön zu hören, dass du für dich einen Weg gefunden hast, den Druck rauszunehmen, denn so bleibt der Spaß am eigenen Tun nicht auf der Strecke. Einen guten Start ins neue Jahr wünsche ich dir. LG, Karla

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