Ein paar Wochen war auf meinem Blog nun Ebbe. Warum? Weil ich mir eine Auszeit gegönnt habe. In dieser Zeit habe ich weder gebloggt noch meine Social-Media-Kanäle gepflegt. Ich habe keine Anrufe angenommen und nicht im Internet gesurft. Tatsächlich habe ich mein Smartphone während der gesamten Zeit nur selten angeschaltet, um nachzuprüfen, ob jemand versucht hat, mich telefonisch zu erreichen. Und was soll ich euch sagen: Diese Auszeit hat mir richtig gutgetan!

Ständige Erreichbarkeit

Heutzutage ist es für viele nur schwer vorstellbar, ohne ihr Smartphone auszukommen. Es hilft uns beim Rechnen und Recherchieren, wir machen Fotos damit oder lassen uns durch die Gegend navigieren. Darüber hinaus versorgt uns das Internet via Smartphone ständig mit News, sei es über Google oder über unsere sozialen Netzwerke.

Es ist zur völligen Normalität geworden, selbst während wir Gespräche führen, das Handy zu zücken und nebenher herumzusurfen. Pushup-Benachrichtigungen erinnern uns schließlich permanent daran: Die sozialen Netzwerke schlafen nicht. Wir sind ständig erreichbar und erwarten das oft auch von anderen. Ob das wirklich notwendig ist, hinterfragen wir selten.

Psychische Ressourcen

Und wir machen uns selten Gedanken darüber, was das für unseren Alltag bedeutet, wie sehr unsere psychischen Ressourcen davon aufgezehrt werden. Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist kürzer geworden. Schnell neigen wir zur Ungeduld, wenn das Netz sich verabschiedet und eine Information auf sich warten lässt. Alles soll sofort und unmittelbar zugänglich sein. Ist dies nicht der Fall und finden wir uns auf einer Internetseite nicht auf Anhieb zurecht, suchen wir keine Lösung dort, sondern klicken uns weg.

Auch fällt es manchmal schwer, in all der Fülle die richtige Auswahl zu treffen. Hunderte Links werden uns im Newsstream täglich vorgeschlagen. Sie alle anzuklicken und zu lesen, würde Stunden dauern. Aber was, wenn wir über etwas Wichtiges hinweg scrollen und daher etwas Entscheidendes verpassen? Hinzu kommt, dass soziale Netzwerke unser Weltbild verzerren können. Facebook zum Beispiel trifft durch seinen Algorithmus eine Vorauswahl und zeigt uns mitnichten alles, was in unserem FB-Freundeskreis gepostet wird.

Nur die halbe Wahrheit

Hinzu kommt noch ein weiterer Effekt: Ständig sehen wir, was unsere Freunde Tolles oder Aufregendes gemacht haben. Nicht wenige User fühlen sich selbst mies dabei, denken, ihr eigenes Leben sei langweilig dagegen. Dabei bedenken sie nicht, dass andere nur selten die eintönigen oder schlecht gelaunten Phasen bei Facebook dokumentieren würden. Sie zeigen uns nur die Sonnenseite der Medaille. Die Schattenseite bleibt im Off.

Obwohl unser Gehirn nicht multitaskingfähig ist, erledigen wir scheinbar Dinge gleichzeitig: fernsehen und surfen, telefonieren und am Laptop E-Mails-checken, einen netten Abend mit Freunden und Einträge auf Instagram. Kein Wunder, dass dabei bisweilen die Aufmerksamkeit auf der Strecke bleibt und wir viel Zeit vertrödeln, die wir sinnvoller nutzen könnten. Ist der Akku leer, werden wir nervös und fragen uns, was wir mit der Zeit nun anfangen sollen.

Andere Wahrnehmung

Meine These ist: Durch den sogenannten „Second Screen“ ist unser Leben nicht einfacher geworden, es ist anders geworden. Der technische Fortschritt allein lehrt uns allerdings nicht automatisch, mit den Neuerungen auch gesund umzugehen. Nicht falsch verstehen: Ich bin ein Fan der modernen Online-Interaktion. Ich liebe mein Blog und freue mich, dass ich über soziale Netzwerke heutzutage mit Menschen in Kontakt treten kann, die ich vermutlich sonst nie kennengelernt hätte.

Aber ich merke auch, dass es nicht schadet, sich ab und an auf ein Leben ohne Smartphone zu konzentrieren – und sei es auch nur für ein paar Tage. Mich entspannt das ungemein. Es bringt mich dazu, mich selber wieder intensiver wahrzunehmen und mich ohne Ablenkung auf das zu konzentrieren, was ich in genau dem Augenblick tue.

Automatisierter Alltag

Und es zeigt mir, wie erschöpfend das ständige „Erreichbarsein“ tatsächlich ist. Wieder daheim angekommen, hatte ich mehr als 400 E-Mails in meinen Postfächern. Allerdings musste ich feststellen, dass kaum etwas dabei gewesen ist, das wirklich große Bedeutung für mich hatte. Da kann man mal sehen, mit welcher Oberflächlichkeit unser Alltag gefüllt ist: automatisierte Benachrichtigungen aus den Social Media, diverse Newsletter und nur wenige persönliche Nachrichten, deren Beantwortung auch zwei Wochen nach Erhalt noch möglich war.

Die Welt scheint schneller geworden zu sein, das meiste, was an Informationen über den Äther geht, ist jedoch für unser Wohlbefinden nur am Rande entscheidend – wenn überhaupt. Während meiner Auszeit habe ich jedenfalls nichts Entscheidendes verpasst – entgegen aller anderslautenden Sorgen. Meine Eltern und meine engen Freunde wussten, dass ich unterwegs war. Sie hätten sich nur im Notfall bei mir gemeldet. Alles andere konnte warten.

Fazit: Qualität statt Fülle

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Auszeit hilft, einen gesunden und ressourcensparenden Umgang mit modernen Kommunikationsmedien zu lernen. Verzicht macht dir bewusst, was dir wirklich und was dir nur scheinbar fehlt, es holt dich zurück auf den Boden der Tatsachen. Außerdem trainiert es dich darin, wieder eine längere Aufmerksamkeitsspanne zu entwickeln. Ich habe nach dem Urlaub ein wenig aussortiert, mich aus mehreren Newslettern ausgetragen und einige Benachrichtigungsfunktionen deaktiviert. Fülle ist nicht entscheidend, sondern die Qualität. Ich konzentriere mich jetzt wieder mehr auf das, was zu mir passt und mich auch wirklich interessiert.

Und meine Schreiberei? Während meines Urlaubs habe ich kein Wort an meinem neuen Buchprojekt geschrieben. Umso motivierter bin ich jetzt, da ich wieder da bin, die Geschichte auszubauen und die ersten Kapitel zu beenden. Diesmal wage ich mich auf einen Roadtrip quer durch Australien. Mehr dazu verrate ich allerdings noch nicht.

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Und wie geht es dir mit den modernen Devices? Ein Urlaub ohne Smartphone und Laptop – ist das für dich überhaupt vorstellbar?

4 Kommentare

  1. Liebe Karla,
    du hast es also komplett durchgezogen, nicht nur Social Media Ferien, sondern auch dein Handy ausgeschaltet. Das habe ich bei meiner Digital-Detox-Woche im Urlaub nicht so konsequent durchgezogen. Da wurden Fotos gemacht und nicht nur, wie geplant, kurz per Whatsapp Bescheid gesagt, dass alles in Ordnung ist, sondern auch Fotos verschickt, gechattet und mein Handy war Hotspot für Spox ohne das der Mann an meiner Seite nicht kann. Mein Feedback von den Social Media Ferien: ich habe nichts, aber auch wirklich gar nichts verpasst! Ein Rat an dich: schalte die Email Notifications aus den Social Media einfach komplett ab. So entscheidest du selbst, wann du neue Benachrichtungen checken willst. 🙂
    Liebe Grüße aus Hannover

    1. Liebe Anna,

      willkommen zurück und vielen Dank für deinen kurzen Bericht. 🙂 In der Tat, es ist wirklich erstaunlich, wie wenig einem „entgeht“, wenn bestimmte Kanäle mal für eine Weile ruhen. Was die Social-Media-Benachrichtigungen betrifft: Ich habe die schon auf ein Minimum reduziert, aber bestimmte Benachrichtigungen möchte ich im Alltag schon haben. Nur fällt es normalerweise einfach nicht so auf, wie viele es sind, da sie sich über den Tag und die Woche verteilen. Nun bin ich gespannt, deinen ausführlichen Bericht zu lesen. Vielleicht magst du ja den Link hier lassen, sobald er online ist?

      Liebe Grüße,
      Karla

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