Immerhin zwei Tage konnte ich mir in diesem Jahr freischaufeln, um auf die Frankfurter Buchmesse zu gehen. Es ist DAS Event für Bücherfreunde und Autor*innen, ein Treffpunkt gleichermaßen wie ein riesiger Informationspool.

Selfpublishing im Trend

Während im vergangenen Jahr bereits das E-Publishing auf der Agenda stand, war 2015 das Jahr der Selfpublisher – so jedenfalls mein Eindruck. In einer Selfpublishing-Area gab es Veranstaltungen, Diskussionsrunden und Vorträge zu dem Thema. Daneben gab es die Stände bekannter Dienstleistungsunternehmen zu entdecken, die im Bereich Selfpublishing tätig sind.

Besonders zog allerdings ein Stand meine Aufmerksamkeit auf sich: der des im Februar neu gegründeten Selfpublisher-Verbandes nämlich. Mit seinen aktuell rund 120 Mitgliedern möchte dieser künftig Sprachrohr sein für eine Szene, die Step by Step den Buchmarkt immer mehr für sich erobert. Die Autorin Vera Nentwich erzählte mir, was es damit auf sich hat.

Ein Sprachrohr für die Autoren

Verlegt sich selbst: Vera Nentwich

„Der Grundgedanke ist, dass es eine Institution gibt, die Ansprechpartner für Selfpublisher sein kann und will“, sagte sie. Dass es einen Stand auf der Buchmesse gebe, sei dabei nur der erste Schritt. Auch mit dem Handel und der Politik wolle man ins Gespräch kommen.

Themen, mit denen sich die Verbandsmitglieder derzeit beschäftigen, sind zum Beispiel:

  • die ISBN-Nummern-Verwaltung;
  • die Mehrwertsteuer, die auf E-Books erhoben wird;
  • der Eintritt in den Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Viel war im Vorfeld zu tun, bevor der Verband im Februar an den Start gehen konnte, die Hürden der Bürokratie mussten zunächst überwunden werden. Inzwischen gibt es eine aussagekräftige Homepage, auf der ihr zum Beispiel die Satzung einsehen könnt, aber auch seht, wer bereits Mitglied im Verband ist.

Virtuelle Mitgliederversammlung

Da die 120 Mitglieder im gesamten deutschsprachigen Raum verteilt leben, fand eine erste Mitgliederversammlung virtuell statt. In dieser wurde auch der Vorstand gewählt, dem Matthias Matting, Ruprecht Frieling, Daniel Isberner, Roland Jesse und Peter Bourauel angehören.

Dass es sinnvoll sein kann, sich zusammenzuschließen und auftretende Probleme gemeinsam anzugehen, das konnte Vera Nentwich feststellen, als sie am eigenen Leib zu spüren bekam, wie wenig akzeptiert das Selfpublishing im lokalen Buchhandel ist. Zwar arbeitet sie mit der Buchhandlung in ihrem Heimatort eng zusammen, eine solche Kooperation scheint aber noch immer die Ausnahme zu sein.

Brief an den Buchhandel

Nachdem ein Kunde, der ihr Buch bestellen wollte, in einem anderen Laden an Amazon verwiesen wurde, schrieb Vera einen offenen Brief und forderte mehr Offenheit für professionell selbstverlegte Bücher. Dies hat ihr in diesem Jahr sogar eine Einladung zu einer Diskussionsrunde über Selfpublishing und den lokalen Buchhandel auf die Frankfurter Buchmesse eingebracht.

„Es ist ein Unding, dass es für professionelle Selfpublishing-Autoren, die gute Bücher machen, so schwer ist, in den Buchhandel zu kommen“, sagte sie. „Gerade der stationäre Buchhandel könnte von einer Zusammenarbeit profitieren und sich dadurch von den Großen differenzieren.“

Unterstützung erhielt die Autorin in besagter Talkrunde auch von Seiten einer Buchhändlerin. Stefanie Spiesecke von der Mayerschen Buchhandlung stellte fest: „Selfpublishing ist im Grunde der Trend gegen den Trend. Es liegen viele Stapel im Buchhandel aus mit immer denselben Titeln. Das ist natürlich nicht, was wir wollen.“

Haltungsänderung gefordert

Um das Selfpublishing in den Handel zu bekommen, müssten tragfähige und vor allem kompartible Strukturen her. „Der Verband müsste schon die gleichen Kompetenzen einbringen wie ein Verlag“, so Spiesecke. „Es ist wichtig und hilfreich für beide Seiten, dass es jetzt eine Verbandsstruktur gibt.“ Allerdings, da waren sich die Redner in der Runde einig, sei eine Haltungsänderung im Buchhandel absolut erforderlich.

 

 

 

 

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