In den vergangenen Wochen habe ich mich hier auf meinem Blog rar gemacht. Der Grund dafür ist, dass ich beruflich eine Menge um die Ohren hatte und daher meine Prioritäten entsprechend neu ordnen musste. Dies hatte allerdings nicht nur Auswirkungen auf mein Herzklopfen-Blog, sondern auch auf andere Lebensbereiche.

Plötzlich sind die Zeitressourcen knapp und ich stehe nicht wie gewohnt bereit, wenn man mich ruft. Ehrenamtliche Tätigkeiten musste ich hinten anstellen, Verabredungen konnten nicht mehr spontan zustande kommen, sondern mussten vorab geplant werden. Dass ich damit aber auf derartiges Unverständnis stoßen würde, hat mich doch überrascht.

Destruktive Aktionen

Es war nämlich nicht überall so, dass sich die Menschen einfach mit mir freuen konnten, dass meine Auftragslage gerade so gut war. Im Gegenteil: Gleich an mehreren Stellen gab es plötzlich Konflikte. Zwar bin ich offen und transparent mit meiner Situation umgegangen und habe auch keine unrealistischen Zusagen gemacht, aber dennoch schien es manchen Herrschaften nicht zu passen, dass ihr Projekt auf meiner Liste nicht den obersten Platz einnahm.

Anders kann ich mir das passiv aggressive und an einer Stelle auch offen feindselige Verhalten nicht erklären, das mir entgegenschlug. Schade, denn mit derart destruktiven Aktionen schaden Menschen nicht nur mir (in dem Moment), sondern vor allem auch sich selbst. Erst recht einem gemeinsamen Unterfangen, das nun jäh ein Ende nahm.

Warum ich es dennoch für richtig halte, meinen Stiefel durchzuziehen, und ich jede(n) von euch nur ermutigen kann, es nicht allen Leuten recht machen zu wollen, darüber möchte ich heute schreiben. Klar, wer möchte nicht lieber auf unliebsame Konflikte verzichten. Andererseits reinigen sie auch die Luft. Und sie machen sichtbar, wer wirklich zu dir passt und wer nicht. Insofern haben solch ungeplanten Veränderungen im Sozialgefüge oft auch etwas Gutes.

Priorität der eigenen Bedürfnisse

Zunächst allerdings stellt sich die Frage, warum es uns eigentlich so schwer fällt, im positiven Sinne „egoistisch“ zu sein und unseren eigenen Bedürfnissen eine gewisse Priorität einzuräumen. Ich rede hier nicht von asozialem und bewusst rücksichtslosem Verhalten. Was ich meine, sind Situationen, die jeder von uns kennt: Du hast seit Tagen nicht genügend Schlaf bekommen, aber traust dich dennoch nicht, einem Freund eine Absage zu erteilen, der dich um Hilfe gebeten hat. Du lässt dich mit warmen Worten zu einer Zusage drängen, obwohl du ganz genau weißt, dass du eigentlich am Limit bist.

Dir fällt auf, dass alternative Lösungswege für das Problem gar nicht in Betracht gezogen werden, obgleich es welche gäbe. Als du sagst, dass dir eigentlich die Zeit fehlt, musst du dir zickige Kommentare gefallen lassen und stößt auf Unverständnis. So oder so ähnlich habe ich es in den vergangenen Wochen auch erlebt. Zwei Beobachtungen habe ich dabei gemacht:

  • Oft sind es nicht die Sachargumente, die über den Ausgang einer Situation entscheiden, sondern emotionale Komponenten.

  • Mehrfach legte mein Gegenüber bei sich selbst einen anderen Maßstab dafür an, was „in Ordnung“ sei, als bei mir.

Dennoch fühlte ich in mir den Impuls, zunächst dem Anliegen des anderen nachzugeben. Aber warum eigentlich? Es liegt doch auf der Hand, dass hier mit unfairen Mitteln gespielt wird. Der Grund ist der folgende: Im Kern spielt in solchen Fällen meist die Tatsache die entscheidende Rolle, dass wir nicht gut damit leben können, nicht gemocht zu werden.

Wir fürchten, mit unserer Ablehnung des Gefallens die Ablehnung unserer Person zu provozieren. Das aber würde unserem Ego erheblich schaden. Und daher versuchen wir oft, es anderen recht zu machen und stellen unsere eigenen Bedürfnisse hinten an. Und das fühlt sich schal an. Meist rächt sich ein solches Verhalten. Frust macht sich breit und die eigenen Projekte bleiben im schlimmsten Fall auf der Strecke.

Wenn du in einem ähnlichen Dilemma steckst, solltest du dir diese Dinge klar machen:

1. Du kannst es gar nicht allen recht machen.

Wer auch nur eine Sekunde darüber nachdenkt, wird dieser These vermutlich sofort zustimmen. Allerdings lohnt es, sich den Inhalt dieser Aussage noch einmal wirklich bewusst zu machen. Um es mal auf das Schreiben von Büchern zu beziehen: Selbst wenn du der begabteste und fleißigste Autor unter der Sonne bist, wird es immer Menschen geben, denen das, was du tust, nicht gefällt.

Das liegt daran, dass wir verschiedene Wahrnehmungen und unterschiedliche Weltbilder haben. Es dennoch versuchen zu wollen gleich einer Sisyphos-Aufgabe. Mein Credo daher:

Dialogbereitschaft zu zeigen und Kritik anzunehmen ist gut, sich die Entscheidungen aus der Hand nehmen zu lassen, die einen selbst betreffen, und an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln, ist hingegen hinderlich.

2. Oft liegen unter deiner Unsicherheit weitere Ängste verborgen.

Oben schrieb ich bereits, dass es oft schwer fällt, mit der Ablehnung anderer zurecht zu kommen. Aber es können auch noch weitere Gründe vorhanden sein, die einen die eigenen Bedürfnisse hinten anstellen lassen: Angst vor Konflikten, ein chronisch schlechtes Gewissen oder auch der Glaube, dass die unzähligen Gefallen sich eines Tages für dich auszahlen werden. (Egal, als wie unrealistisch dein Bauch diese Option bewertet.)

In jedem Fall lohnt es, dem auf den Grund zu gehen. Möglicherweise steckt hinter deinem Verhalten nämlich ein ganz konkretes Motiv, eine versteckte Strategie, die dir gar nicht bewusst sein muss. Doch nur, wenn du dir diese Motive bewusst machst, kannst du auf Dauer etwas daran ändern.

Ändern, aber wie?

Bewusst machen ist der erste Schritt. Dein Verhalten zu prüfen, ohne deine möglicherweise unbewussten Motive zu kennen, könnte sonst ebenfalls zur Sisyphos-Aufgabe mutieren. Wenn dir diese klar geworden sind, kannst du anfangen, in vergleichbaren Situationen dein Verhalten zu prüfen und Schritt für Schritt etwas daran ändern.

Affirmation

Eine Möglichkeit, die Änderung zu bewirken ist die Technik der positiven Affirmation. Indem du deine negativen Glaubenssätze in positive umkehrst, kannst du dein inneres Programm bearbeiten und zu einem neuen finden. Affirmationen sind selbstbejahende Sätze. Aus dem „Ich ertrage keine Ablehnung“ wird so beispielsweise ein „Ich bin stark genug, auch mit Ablehnung zurecht zu kommen“.

Realitätscheck

Was mir auch immer sehr hilft, sind Gespräche mit Freunden. Wenn ich in eine Situation gerate, die sich vollkommen verkehrt anfühlt, mein Gegenüber  mir aber weis machen will, dass ich damit falsch liege, dann hilft oft der Blick von außen. Freunde können wertvolle Hinweisgeber sein, wenn es darum geht, eine neue Strategie zu finden. Sie können einem den Rücken stärken und uns Kraft geben. Und sie können uns auf den Boden der Realität zurück helfen.

Wertigkeiten prüfen

Als letztes frage ich mich immer, welche Wertigkeit eine Person, die mich manipulien möchte, tatsächlich in meinem Leben hat. Hierzu habe ich ein schönes Zitat von Hermann Hesse gefunden:

„Man braucht  vor niemand Angst zu haben. Wenn man jemanden fürchtet, dann kommt das daher, dass man diesem Jemand Macht über sich einräumt.“

Lass dir deine Entscheidungen nicht abnehmen, vertrau deinem Gefühl und vor allem: Nimm deine Bedürfnisse ernst. Du hast jedes Recht, es nicht jedem recht machen zu wollen.

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Jetzt möchte ich dich gerne fragen: Wie gehst du mit dem Gefühl um, es allen recht machen zu wollen? Kennst du solche Situationen überhaupt? Was ist deine Strategie, um dennoch deine eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen? Dein Kommentar unter meinem Post würde mich sehr freuen! 🙂

 

 

 

 

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