Die einen tun es in der Wanne, andere nur in ihrem Bett. Wieder andere bevorzugen das Sofa oder ein lauschiges Plätzchen im Grünen. Während mancher jederzeit und allerorten liest, braucht ein anderer feste Rituale für sein Lesevergnügen. Auch ich habe meine eingespielten Leseroutinen. Das war nicht immer so.

Lesen als Einschlafhilfe

Bereits als Schülerin hatte ich Phasen, in denen ich ein Buch nach dem anderen verschlang. Damals allerdings war ich, was das betrifft, eher unbeständig. Regelmäßig zu lesen begann ich erst im Studium, weil es mir schwer fiel, nach einem arbeitsreichen Tag Schlaf zu finden. Oft ging mir noch mein Lernstoff durch den Kopf und hielt mich so vom Schlafen ab.

In Prüfungszeiten stapelten sich meine Notizen und Unterlagen neben dem Kopfkissen. Schnell wurde mir klar: Das ging gar nicht! Kein Wunder, dass ich nicht zur Ruhe kam. Um dem entgegenzuwirken, verbannte ich alles Studienrelevante aus dem Schlafbereich und lenkte mich abends vor dem Einschlafen mit Belletristik ab.

Ein Buch zur guten Nacht

Es dauerte nicht lange, bis mein Gehirn beide Dinge miteinander verknüpfte: ein unterhaltsames Buch und die Schlafenszeit. Mein aus der Not geborenes Arrangement wurde zum Ritual. Sobald ich lag und etwas las, das nichts mehr mit dem Lernen zu tun hatte, wurde ich ruhiger. Mein Geist schaltete ab und ich fand sanft den Übergang ins Land der Träume.

Wenn meine Termine es zulassen, lese ich seitdem jeden Morgen und jeden Abend im Bett. Es ist schön, mit einer Geschichte in den Tag zu starten und mit den vertrauten Figuren die Nacht einzuläuten. Zudem bin ich eine absolute Badewannenleserin. Wenn mich eine Erzählung fesselt, vergesse ich im warmen Wasser schnell mal die Zeit und runzele lesend vor mich hin, bis die Wanne abgekühlt ist.

Zu jeder Jahreszeit

Im Sommer setze ich mich gern mit einem guten Buch in den Park, auf eine Bank oder in ein gemütliches Café. Im Herbst zelebriere ich meine Lesestunden mit Tee und Kerzenschein. Bahnfahrten erscheinen mir kurzweilig, wenn ich die passende Lektüre am Start habe.

In gewisser Hinsicht bin ich durch meine Leserituale also ein Hybrid, eine Mischung aus Leseplanerin und Spontanleserin. Selten gehe ich ohne Buch aus dem Haus. Meine abendliche Routine, mein Leseritual aber ist mir das wichtigeste, es ist und bleibt mir heilig.

5 Gründe, aus denen Rituale uns gut tun:

Warum aber sind Rituale so wichtig? Hierzu habe ich bei meiner Recherche einige Antworten gefunden:

  1. Rituale strukturieren unsere Welt. Sie geben uns Sicherheit und das Gefühl, dass die Dinge nicht aus dem Ruder laufen können. Das beruhigt.
  2. Rituale helfen, starke emotionale Erfahrungen in einen Kontext zu bringen. Abschiedszeremonien wie Beerdigungen sind ein gutes Beispiel dafür.
  3. Rituale können Gemeinschaft stiften, wenn sie in der Gruppe erlebt werden. Sie verbinden Menschen über eine gemeinsame Erfahrung hinaus.
  4. Rituale helfen dabei, Veränderungen leichter ertragen zu können, da trotz der Neuerungen auch etwas Beständiges bleibt.
  5. Rituale helfen uns, Stresssituationen besser zu meistern. Man denke nur mal an das morgendliche Kaffeeritual, das vor einem Vorstellungsgespräch beruhigend wirkt.

Alles in allem haben Rituale also in vielen Situationen einen Nutzen für diejenigen, die sie durchführen. So empfinde ich es auch bei meiner abendlichen Leseroutine. Zwar treffen nicht alle die oben genannten Punkte darauf zu, aber Stressbewältigung und die Tatsache, dass mein Leseritual meinen Tag strukturiert, stimmen allemal. Mir gibt das jeden Abend ein gutes Gefühl.

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Nun bin ich neugierig. In welchen Situationen liest du gern. Hast du auch deine ganz eigenen Rituale? Erzähl mir davon! Ich würde mich freuen. 🙂

 

 

 

 

 

 

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