Er ist Jahrhunderte alt, zieht keine Grenze zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen oder Schichten und geht am Ende in den allermeisten Fällen gut aus: der Liebesroman. Da ich mich diesem Genre nun mit viel Herzblut verschrieben habe, habe ich einige Fakten über Liebesromane zusammengetragen.

1. Liebesromane sind Beziehungromane

Während der Beziehungsroman die Lebensverhältnisse der Menschen zueinander zum Gegenstand hat, unabhängig davon, ob am Ende ein Paar zusammenfindet, steht in einem Liebesroman in aller Regel ganz klar die Beziehung eines bestimmten Paares im Mittelpunkt. Die Menschen um dieses Paar herum sind wichtige Nebenfiguren, da sie Aufschluss darüber geben, wie sich ein Protagonist anderen Personen gegenüber verhält.

Durch sein Verhalten, aber auch die Reaktionen auf ihn, kann die Abgrenzung zum Antagonisten unterstützt werden. Nebenfiguren geben zudem Informationen darüber, aus welcher Lebenswelt eine Hauptfigur stammt, welche Erfahrungen sie bereits gemacht hat etc. Es spielt also nicht allein die Beziehung des Liebespaares zueinander eine Rolle, sondern meist ein ganzes Beziehungsgeflecht.

2. Das literarische Spektrum von Liebesromanen ist breit

Liebesromane folgen zwar meist bestimmten Regeln, allerdings ist ihr Spektrum insgesamt breiter als man gemeinhin vielleicht so denkt. Nicht jeder Liebesroman hat zum Beispiel ein Happy End. Manch einer endet sogar extrem tragisch. Als bekanntes Beispiel wäre hier „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang von Goethe zu nennen, welcher zugleich die Form eines Briefromans hat und an dessen Ende sich der Protagonist aufgrund der Unerfüllbarkeit seiner Liebe das Leben nimmt.

Unzählige Liebesromane sind aufgrund ihrer komplexen Struktur und sprachlichen Gestaltung als Hochkultur in die Literaturgeschichte eingegangen. „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen habe ich persönlich nahezu verschlungen, ebenso übrigens seinerzeit die „Dornenvögel“ oder auch „Vom Winde verweht“, welche eine bestimmte historische Kulisse als Hintergrund nutzen. Bestseller der jüngsten Zeit sind zum Beispiel „Die Frau des Zeitreisenden“ oder „PS: Ich liebe dich“. Sie sind sicherlich nicht der Hochkultur zuzuordnen, erreichten aber über den in beiden Fällen sehr spannenden Aufbau und das Durchbrechen der Chronologie der Geschehnisse ein Millionenpublikum.

Deutlich wird bereits an dieser Stelle, dass das Genre allein noch nicht viel darüber aussagt, wie komplex oder anspruchsvoll eine Lektüre tatsächlich ist. Ein großer Teil der Liebesromane, die heutzutage in den Bestsellerlisten stehen, sind „nur“ der Trivialliteratur zuzuordnen, bei weitem nicht alle. Das Wörtchen „nur“ setze ich hier in Anführungszeichen, weil ich betonen möchte, dass trivial nicht automatisch gleichzusetzen ist mit dumm, schlecht gemacht und anspruchslos. Mir zeigt es ganz einfach, dass ich in meinem Bedürfnis nach leicht lesbarer Unterhaltungslektüre nicht allein da stehe. Das freut mich natürlich, denn nichts anderes möchte meine „Edition Herzklopfen“ schließlich sein.

3. Die Geschichte des Liebesromans geht bis in die Antike zurück

Den Ursprung des Liebesromans kann man bereits in den romantischen Romanen der griechischen und römischen Antike oder auch in den Tragödien derselben Zeit verorten. Die Geschichte über Daphnis und Chloe des sophistischen Rhetors Longos zeigt, dass schon damals, vor rund 1700 Jahren, die Trennung zweier Liebender und deren Wiedervereinigung die Gemüter der Menschen bewegte. Der Autor schrieb den Roman im 3. Jahrhundert n. Chr. auf Lesbos. Daphnis und Chloe sind zwei Findelkinder, die, nachdem sie sich auf schmerzhafte Weise voneinander trennen mussten, schließlich doch ihr gemeinsames Glück finden.

In späteren Jahrhunderten fand der Liebesroman als Liebes- und Familienroman eine Heimat in den gutbürgerlichen Stuben der Gesellschaft. Wie andere Literaturgattungen auch spiegelt er nicht selten in aller Deutlichkeit die Lebensverhältnisse seiner Entstehungszeit – selbstredend gewürzt mit einer großen Prise Hoffnung und einer Spur Sehnsucht. Im 18. Jahrhundert beispielsweise wurden die gut bürgerlichen Wertevorstellungen, z. B. die Bedeutung der Familie, auch im Liebesroman ausgelebt.

Anhand von Privatschicksalen konnten so moralische Erwägungen über die Figuren innerhalb des Romans verhandelt werden. Viele dieser damals entwickelten Mechanismen finden sich auch heute noch wieder, beispielsweise wenn man sich das trivialliterarische Genre der Adelsromane anschaut, bei denen nicht selten die Erwartung formuliert wird, das persönliche Glück hinter dem Wohl der Familie anzustellen. Es lohnt sich also, bei der Entwicklung solcher Plots auch mal einen Blick in die klassische Literatur zu werfen.

 

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