Vor einiger Zeit bloggte ich darüber, dass entspanntes Lesen für mich Achtsamkeit bedeutet. Achtsamkeit ist in den letzten Jahren immer wichtiger für mich geworden. Besonders beschäftigt mich das Thema Achtsamkeit in Beziehungen. Darüber möchte ich heute schreiben.

Viele Liebesromane schließen mit dem Happyend. Allerdings erfährt der Leser nicht, was mit den Protagonisten in den folgenden Jahren geschieht. Passen sie wirklich so gut zusammen, wie es den Anschein hat? Wird ihre Liebe über alle Alltagsprobleme hinweg Bestand haben?

Die Realität sieht oft anders aus

Neulich stolperte ich über eine witzige Zeichnung. Sie zeigte die Zeichentrickfigur Heidi, allerdings Jahre nachdem die gleichnamige, bekannte Kinderserie zuende war. Auf der Zeichnung hatte Heidi mehrere Kilo zugenommen, ein schreiendes Kind im Arm und tiefe Augenringe.

Ich fand die Darstellung sehr witzig. Allerdings haben viele Menschen aufgrund eigener schlechter Erfahrungen oder Beobachtungen im Freundes- und Bekanntenkreis tatsächlich ein solches Bild im Kopf. Oder geben ein solches ab.

Wie gelingt Achtsamkeit in Beziehungen?

Was enthusiastisch begann, fühlt sich irgendwann wie eine erdrückende Pflicht an. Das Ursprungsbild, das wir von einer glücklichen Beziehung im Kopf hatten, löst sich nicht ein. Das mag auch daran liegen, dass uns Romane, Fernsehserien und andere mediale Bilder einen Perfektionismus vorgaukeln, der absolut gar nicht der Realität entspricht.

Ich bin überzeugt davon, dass Beziehungen dauerhaft zufrieden machen können, sofern beide Beteiligten reif dafür sind und auch bereit sind, an sich und der Beziehung zu arbeiten. Achtsamkeit in Beziehungen nimmt dafür eine Schlüsselrolle ein.

Was aber versteht man unter Achtsamkeit eigentlich genau?

Eine schöne Definition habe ich auf der Seite des Deutschen Fachzentrums für Achtsamkeit gefunden. Dort heißt es:

„Achtsamkeit ist eine Qualität des menschlichen Bewusstseins, eine besondere Form von Aufmerksamkeit. Es handelt sich dabei um einen klaren Bewusstseinszustand, der es erlaubt, jede innere und äußere Erfahrung im gegenwärtigen Moment vorurteilsfrei zu registrieren und zuzulassen.“

Für mich übersetzt bedeutet das:

  • Akzeptanz zu üben,
  • nicht immer alles sofort bewerten zu müssen oder zu wollen
  • und darauf zu vertrauen, dass das, was mir geschieht, zu meiner persönlichen Entwicklung beiträgt.

Diese Grundregeln kannst du auch auf die Gestaltung deiner Beziehungen übertragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die Beziehung zu Freunden, der Familie, deine Partnerschaft oder die Beziehung zu dir selbst handelt.

Akzeptanz

Viele Menschen scheinen immer noch zu denken, dass sie ihrem Partner oder ihrer Partnerin etwas Gutes tun, wenn sie versuchen, ihnen ihre Schwächen auszutreiben. Sie geben sich alle Mühe, den Partner zu ändern, damit er ihren (positiven) Vorstellungen entspricht.

Versetz sich dabei mal in seine oder ihre Lage: Würdest du das wollen? Liegt nicht der Kern von Liebe und Wertschätzung darin, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist? Zwischen „den anderen verändern wollen“ und „sich (gemeinsam) weiterentwickeln“ liegen Welten.

Nicht bewerten

Oft geht der mangelnden Akzeptanz noch etwas voraus: Wir sind es gewohnt, uns und unsere Umgebung ständig zu bewerten. Wir vergleichen Menschen und Dinge miteinander, messen uns an anderen. Das ist der direkteste Weg in die Unzufriedenheit.

Bevor du in diese „Bewertungsfalle“ tappst, solltest du lernen, deine Umgebung zunächst einmal genau zu betrachten. Viele Details erschließen sich erst auf den zweiten, dritten oder vielleicht sogar erst auf den vierten Blick. Lerne also, genau hinzusehen.

Vertrauen

Ohne Vertrauen wird keine Beziehung gedeihen. Misstrauen hat eine äußerst destruktive Kraft. Dennoch sind wir nicht davor gefeit, dass wir manchmal Eifersucht erleben oder unser Bauch uns sagt, dass Misstrauen in bestimmten Situationen durchaus angebracht ist.

Mangelndes Selbstvertrauen und Ängste hindern uns daran, das eine vom anderen zu unterscheiden. Meines Erachtens ist Vertrauen eine erlernte Entscheidung. Achtsamkeitsübungen können dir dabei helfen, deine Intuition zu schulen und Vertrauen in deine Fähigkeiten aufzubauen.

Fazit

Die drei oben genannten Fähigkeiten bringen dich auch in deiner Beziehung nach vorn. Zwar wirst du deinem Partner seine Entwicklungsarbeit nicht abnehmen können, aber indem du für dich mit Achtsamkeit in Beziehungen auseinandersetzt, wirst du mehr und mehr mit dir selbst im Reinen sein. So schaffst du eine fruchtbare Basis für ein inniges Miteinander.

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