Seit einigen Jahren ist eine neue Spezies von Buchbegeisterten am Start: die E-Book-Leser. Sie verzichten auf schwere Printerzeugnisse, Eselsohren und vergilbte Seiten und stürzen sich stattdessen auf Geschichten in digitaler Form. Manch passioniertem Bücherfreund fällt es noch immer schwer, E-Books als „echte“ Bücher anzuerkennen. Den gemeinen E-Book-Leser stört dies nicht. Aus seiner Sicht spricht vieles dafür, (zumindest zeitweise) dem Buchrücken den Rücken zu kehren und den Buchdeckel Deckel sein zu lassen. Er verbindet viele Vorteile mit der elektronischen Buchvariante.

Was aber macht E-Book-Leser so anders als andere, habe ich mich gefragt und einige Charakteristika herausgearbeitet, denen ihr gerne mit Wonne widersprechen oder zustimmen dürft. Auch eine Ergänzung der Liste würde mich freuen. Die erste meiner fünf Thesen lautet:

1. E-Book-Leser sind preisbewusst

Wer einen Blick auf die Kindle-Bestseller-Liste riskiert, der entdeckt dort auf Anhieb Bücher unbekannter Autoren, die vermutlich in einem renommierten Verlag geringe Chancen hätten, überhaupt Gehör zu finden. Der Buchmarkt ist stark gesättigt und Verlage setzen häufig auf bekannte Namen und Inhalte, von denen sie sicher sind, dass sie sich gut verkaufen.

Auffallend ist, dass sich viele der unbekannten Autoren mit ihren E-Books vor allem durch ein Argument gegenüber Verlagsautoren absetzen: durch den Preis. Zahlreiche E-Books werden von ihnen für einen Gegenwert von unter 5 Euro angeboten. So kommt es, dass viele Leser auch mal ein unbekanntes Werk kaufen und es somit auf die Bestseller-Plätze bugsieren. E-Book-Leser sind demnach sehr preisbewusst.

2. E-Book-Leser legen Wert auf weniger Gepäck

Ein unschlagbares Argument für den E-Reader ist und bleibt seine geringe Größe und sein geringes Gewicht. Wer schon einmal im Urlaub mit dem Rucksack getourt ist und mehrere Bücher mitgeschleppt hat, wird die digitale Entwicklung allein aus diesem Grunde schon zu schätzen wissen. E-Books wiegen nichts. Die Geräte, auf denen man sie transportieren kann, sind leicht und handlich.

Hinzu kommt, dass ich auf dem E-Book-Reader gleich einen ganzen Haufen Bücher auf einmal transportieren kann. Man stelle sich nur mal vor, was auf Flughäfen und in Urlaubshotels los wäre, wenn jeder Gast mehrere hundert Bücher mitbrächte, weil er sich spontan entscheiden möchte, was er als nächstes am Strand liest. Kein Problem für E-Book-Leser, sie reisen mit leichtem Gepäck – und sie lieben es.

3. E-Book-Leser schlafen später ein

Doch auch die Schattenseiten des E-Book-Lesens wollen hier nicht verschwiegen werden. Mal abgesehen davon, dass ich am Strand immer gern gelinst habe, welche Cover mir von den anderen Liegestühlen entgegen prangen – was bei E-Books nicht mehr möglich ist, scheinen E-Books auch den Biorhythmus zu beeinträchtigen. Das zumindest geht aus einer Studie hervor, von der Wissenschaftler des Fachjournals „PNAS“ berichten.

Demnach beeinflusse das Licht der E-Book-Reader den Schlaf-Wach-Rhythmus so sehr, dass sich der Ruhemodus nach rund vier Stunden Lesezeit um durchschnittlich 1,5 Stunden verzögere. Auch die Traumphasen waren bei den E-Book-Lesern gegenüber den printlesenden Probanten verkürzt. E-Book-Leser schlafen also später ein als Freunde des Papierbuches.

4. E-Book-Leser lesen immer und überall

Es gab Zeiten, in denen in der U-Bahn abwechselnd Zeitungs- und Bücherleser saßen. Heute sieht man die Menschen vor allem auf ihre Smartphones und Tablets starren. Denn egal, um welches digitale Gerät es sich handelt, Apps ermöglichen das Lesevergnügen an jedem erdenklichen Ort. Und diesen Umstand nutzt der gemeine E-Book-Leser gnadenlos aus.

Hinzu kommt, dass durch die integrierte Lichtquelle der elektronischen Geräte der Sonnenuntergang dem Lesevergnügen kein natürliches Ende mehr setzt. Auch sind spezielle E-Book-Reader auf besonders sonnige Lichtverhältnisse eingestellt und entspiegelt. Fazit: Wenn er will, dann frönt der E-Book-Leser seinem Hobby immer und überall. Einziger Nachteil gegenüber Papierbüchern: Ist der Akku leer, dann geht gar nichts mehr.

5. E-Book-Leser sind aufgeschlossen für neue Autoren

Mit meinem fünften und letzten Punkt schließt sich der Kreis. Ganz zu Beginn schrieb ich vom Preisbewusstsein der E-Book-Leser und ihrer Bereitschaft, auch unbekannten Autoren eine Chance zu geben. Wäre der Preis jedoch das einzige Argument und die Lektüre nicht unterhaltsam, so bin ich sicher, ließe diese Bereitschaft sehr schnell nach.

E-Book-Leser haben eines begriffen: Die Popularität allein macht noch keinen guten Inhalt. In jedem Preissegment gibt es gut und schlechte Autoren. Entsprechend nutzen sie die Informationen, die ihnen beispielsweise Bewertungsportale bieten, um sich über ihre Leseerfahrungen auszutauschen. Und sie sind generell neuen Erfahrungen gegenüber aufgeschlossen – was sich ja allein schon durch die Wahl den neuen Mediums E-Book zeigt.

*****

So, und jetzt bin ich gespannt. Liest du selber gerne E-Books? Welche Eigenschaften treffen dann auf dich zu? Und liest du ausschließlich digital oder ergänzend zum Printbuch – je nach Lebenslage? Dein Kommentar zu meinem Artikel würde mich sehr freuen!

Hier geht es zu Teil 2 meines Spezials über E-Book-Leser.

6 Kommentare

  1. Das ist ein toller Beitrag. Ich kann dem in allen Punkten zustimmen. Ich liebe Bücher, halte gerne eines in der Hand, aber durch die E-Books konnte ich selbst meine Bücher veröffentlichen, ohne lang einen Verlag zu suchen, und entdecke sehr viele Autorinnen/Autoren, die preisgünstig ganz tolle Romane anbieten.

  2. Hallo Stella!

    Danke für deine Rückmeldung. Es freut mich, dass dir der Beitrag gefällt! 🙂

    Mir geht es ähnlich, ich bin auch ein Fan von E-Books, weil sie so unkompliziert umsetzbar sind. In welchem Genre schreibst du denn?

    Liebe Grüße, Karla

Kommentar hinterlassen